Aktien gefragt: Erholung in New York


Marktbericht

Stand: 22.11.2022 22:24 Uhr

An der Wall Street hat sich heute etwas mehr Zuversicht eingenistet. Bei den Quartalszahlen standen die Nachzügler der Unternehmen im Mittelpunkt. Auch die Sorge um China ist stärker in den Fokus gerückt.

Nach einem verhaltenen Start hatten die Wall-Street-Optimisten am Ende ein besseres Ende für sich. Der unbeständige Handel, der zuletzt die Ereignisse bestimmt hatte, ging weiter. Am Ende stieg der Leitindex Dow Jones um 1,18 Prozent auf 34.098 Punkte und durchbrach damit die 34.000-Punkte-Marke.

Anders als zuletzt konnte auch der zinssensitive Tech-Titel Nasdaq zulegen. Der zusammengesetzte Index stieg um 1,36 Prozent, während der Nasdaq 100 um 1,48 Prozent stieg. Insbesondere der Nasdaq hat in letzter Zeit unter dem anhaltenden Zinszyklus der US-Notenbank (Fed) gelitten. Der S&P 500 beendete den Handel bei 4.003 Punkten, was einem Tagesanstieg von 1,36 Prozent entspricht.

Trotz der heutigen Gewinne fehlt es dem Markt an neuen Impulsen nach den jüngsten starken Kursgewinnen. „Die Marktstimmung bleibt am zweiten Handelstag der Woche gedämpft, da die meisten Anleger immer noch Schwierigkeiten haben, die kurz- bis mittelfristigen Aussichten für Risikoanlagen einzuschätzen“, sagte Marktbeobachter Pierre Veiret vom Broker ActivTrades.

Darüber hinaus reduzieren die US-Währungsbehörden die Risikobereitschaft, fügte Weiret hinzu. Sie haben kürzlich bestätigt, dass der Kampf gegen die Inflation noch lange nicht vorbei ist. Der Anstieg des Dow um 18,5 Prozent seit Mitte Oktober lastet derzeit schwer auf dem New Yorker

Wirtschaftliche Bedrohungen aus China

Auch die Lage in China bleibt ein Risiko für den Aktienmarkt und die Wirtschaftslage. Konkret kündigte Peking am Dienstag einen Rekordanstieg an Corona-Fällen an. In der chinesischen Hauptstadt wurden nach Behördenangaben 1.438 Neuinfektionen registriert – so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie vor knapp drei Jahren. Am Sonntag lag die Zahl der Neuerkrankungen bei 621.

China ist die letzte große Volkswirtschaft, die eine sehr strikte Null-Covid-Politik verfolgt. Lockdowns bis hin zur Schließung ganzer Landkreise und Städte und die Schließung von Betrieben aufgrund kleinerer Corona-Ausbrüche belasten die Wirtschaft und den Alltag der Menschen. Die Strategie, die sich zunächst bei der Prävention des Coronavirus als wirksam erwiesen hat, scheint angesichts neuer Virusvarianten an Wirksamkeit zu verlieren.

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Unscharf

Auf Unternehmensseite gab es heute noch ein paar Nachzügler aus der Berichtssaison – mit Höhen und Tiefen. Die größte positive Ausnahme war der Elektronikhändler Best Buy, der um 12,71 Prozent zulegte. Die steigenden Gewinnaussichten überraschten die Anleger positiv in einer Zeit, in der die allgemeine Ausgabebereitschaft kritisch hinterfragt wird.

Abercrombie & Fitch verzeichnete ebenfalls kräftige Zuwächse von bis zu 21,65 Prozent: Der Textileinzelhändler überraschte positiv, indem er die Umsatzerwartungen für das dritte Quartal übertraf. Im Gegensatz dazu fiel Zoom Video um 3,87 Prozent. Der Videokonferenzanbieter kämpft nach dem Boom zu Beginn der Coronavirus-Pandemie, da das 2011 gegründete Unternehmen sein schwächstes Wachstum zeigte. Dies hat zur Folge, dass das Unternehmen auch seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr leicht nach unten korrigierte.

DAX ohne Schwung

Der heimische Aktienmarkt befindet sich weiterhin in der Konsolidierungsphase. Der DAX handelte wie schon in der Vergangenheit in einer engen Bandbreite zwischen 13.343 und 13.485 Punkten. Dass der deutsche Leitindex den Handel mit einem Tagesgewinn von 0,29 Prozent bei 14.442 Punkten beendete, lag vor allem an der Entwicklung an der Wall Street. In New York drehte der Aktienmarkt nach einem unbeständigen Start mittlerweile ins Positive, befindet sich aber aktuell ebenfalls in einer Seitwärtsbewegung.

Die Zinspolitik der US-Notenbank FED bleibt das dominierende Thema auf dem Parkett. Wie lange und wie stark wird die Fed den aktuellen Zinszyklus verlängern? Ohne eine bessere Idee in dieser Angelegenheit werden die Märkte wahrscheinlich weiter kämpfen.

Zumal in den USA aufgrund des Thanksgiving-Feiertags am Donnerstag kein Handel und am Freitag nur Short-Handel stattfindet. Entsprechend geht Technologieanalyst Marcel Musler davon aus, dass es hierzulande weitere Tage der Konsolidierung am Aktienmarkt geben könnte.

Fed-Minuten im Fokus

Wie immer blickt die Börse bereits nach vorne, in diesem Fall auf das Protokoll der letzten Fed-Zinssitzung, die morgen ab 20:00 Uhr MEZ erwartet wird. Die Protokolle, im Fachjargon „Minuten“ genannt, sind eine der seltenen Gelegenheiten, einen Blick in das Innere der mächtigsten Zentralbank der Welt zu werfen und sorgen oft für Aufsehen. Ob dies jedoch im Vorfeld von Thanksgiving der Fall sein wird, ist mehr als ungewiss.

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Die Zinsen wurden zuletzt durch Spekulationen über vorsichtigere Zinserhöhungen der Fed unterstützt, die durch einen überraschend niedrigen Anstieg der US-Inflation im Oktober angekurbelt wurden. Allerdings seien die Erwartungen der Anleger übertrieben, warnte Finanzmarktexperte Russ Mould vom Brokerhaus AJ Bell: „Morgen könnte ein kalter Schauer folgen.“

Update der Wirtschaft vom 22.11.2022

Ann-Catherine Beck, HR, 22.11.2022 14:18

Der Euro erholt sich

Der Euro ist am Dienstag im Kurs gestiegen. Die Gemeinschaftswährung konnte einige der erheblichen Verluste Anfang der Woche wieder wettmachen. Im US-Handel wird er bei 1,0302 $ gehandelt, höher als am Morgen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Referenzkurs auf 1,0274 (Montag: 1,0246) Dollar festgelegt.

Marktbeobachter sprachen nach einem schwachen Wochenstart von einer Gegenreaktion. Am Montag ließen Hinweise auf eine nachlassende Preisdynamik in Deutschland den Euro um rund einen Cent fallen. Bei den Erzeugerpreisen stiegen die Preise, die die Erzeuger für ihre Waren verlangen, deutlich langsamer als erwartet. Dies hat Marktspekulationen angeheizt, dass die EZB bei künftigen Zinserhöhungen weniger aggressiv vorgehen wird, um die hohe Inflation zu bekämpfen.

Allerdings lassen aktuelle Äußerungen aus den Reihen der EZB erwarten, dass die Notenbank weiterhin eine konsequente Guidance zur Begrenzung der hohen Inflation geben wird. Laut Bundesbankpräsident und EZB-Ratsmitglied Joachim Nagel hat die Inflation in der Eurozone ihren Höhepunkt wohl noch nicht erreicht. Zudem dürfte die deutsche Inflationsrate im kommenden Jahr hoch bleiben.

Ein kleines Plus am Ölmarkt

Die Ölpreise trugen am Nachmittag zu den Gewinnen bei und schlossen um 1,3 Prozent. Der Ölmarkt bleibt jedoch krank, nicht nur wegen der schwierigen Corona-Lage in China. „Der seit Sommer 2022 bestätigte Abwärtstrend des Ölpreises (Brent) ist nach wie vor relevant. Nur ein Anstieg über die 111,20-Dollar-Zone würde sie durchbrechen“, kommentierte Konstantin Oldenburger, Marktanalyst bei CMC Markets.

Am Montagnachmittag sorgte der Pressebericht zum Ölmarkt für große Aufregung und heftige Preisausschläge. Das Wall Street Journal berichtete, dass Saudi-Arabien Gespräche mit anderen OPEC-Ländern führt, um die Produktion zu erhöhen. In der Folge sank der Ölpreis stark. Als Saudi-Arabien den Bericht Stunden später dementierte, kehrten die Ölpreise dorthin zurück, wo sie begonnen hatten.

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Auf- und Abstieg bei Uniper

Die Uniper-Aktie hat eine Achterbahnfahrt erlebt. Sie gaben am Nachmittag wieder größere Gewinne auf, um schließlich wenig verändert zu schließen.In letzter Zeit waren die Papiere sehr gefragt und haben sich fast verdoppelt. Vom Rekordtief von 2,55 Euro im September haben sie sich bereits mehr als verdreifacht. Während der Gaskrise und dem Ende von Nord Stream 2 verloren sie 2022 etwa 94 Prozent. Der jährliche Verlust beträgt derzeit mehr als 80 Prozent.

Europäische Versorger haben zuletzt Stärke gezeigt. Der wichtigste Anstoß war die Klarheit über die britischen Gewinnsteuern für Erzeuger erneuerbarer Energien. Laut Börsenmaklern hilft Uniper auch dem deutschen Gaskonzern VNG, offenbar auf Staatshilfen zu hoffen.

Der Finanzinvestor Cevian verkauft den Großteil seines Thyssenkrupp-Anteils

Der schwedische Finanzinvestor Cevian hat sich weitgehend von seiner Beteiligung am Industriekonzern Thyssenkrupp getrennt. „Cevian Capital hat gestern seinen Anteil an ThyssenKrupp auf einen Restanteil von unter einem Prozent reduziert“, sagte der Investor heute auf Nachfrage. Dies ist eine Entscheidung, die Cevian im Rahmen regelmäßiger Portfolioanpassungen getroffen hat.

Mark Immo streicht Dividende

Der Vorstand der MDAX Tag Immobilien Gruppe hat bekannt gegeben, dass das Unternehmen zur Stärkung der Rücklagen die Dividendenzahlung für 2022 aussetzt. “Abscheulich!” Ein Unternehmen könnte kein negativeres Signal senden“, kommentierten die Analysten von Alpha Securities Trading. Experten von Berenberg hoben das Kursziel von zuvor 17,50 Euro auf 11,50 Euro an.

Kein Stellenabbau mehr bei Twitter?

Twitters neuer Besitzer Elon Musk plant laut einem Medienbericht keinen weiteren Stellenabbau bei dem SMS-Dienst. Tatsächlich stellt das Unternehmen in den Bereichen Marketing und Technologie ein, twitterte Reporter Alex Heath vom Tech-Portal The Verge. Gleich nach der Übernahme von Twitter Anfang November entließ Tesla-Chef Musk zunächst rund 3.700 Mitarbeiter.

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