Bericht der Bundesregierung: 263.000 Menschen ohne festen Wohnsitz

Stand: 08.12.2022 21:15 Uhr

Erstmals legte die Bundesregierung einen Bericht zur Wohnungslosensituation in Deutschland vor. Dies zeigt, dass die Mehrheit Männer sind und die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Fast 40.000 Menschen leben auf der Straße.

Etwa 263.000 Menschen in Deutschland haben keinen festen Wohnsitz. Das geht aus dem ersten Obdachlosenbericht der Bundesregierung hervor. Sie unterscheidet drei Gruppen von Wohnungslosen: Menschen, die in der Wohnungsnothilfe untergebracht sind, verdeckte Obdachlose – die bei Freunden oder Bekannten leben – und Menschen auf der Straße und in Behelfsunterkünften. Zum 31. Januar dieses Jahres wurden etwa 178.000 Personen in die erste Gruppe eingeordnet, 49.000 Personen in die zweite Gruppe und gut 37.000 Personen in die dritte Gruppe.

Berücksichtigt man Doppelmeldungen und bei den Eltern lebende Minderjährige, steigt die Zahl schließlich auf rund 262.600 Obdachlose – wobei der Bericht wegen der schwierigen Personenerfassung keinen Anspruch auf Gesamtschau erhebt. Knapp zwei Drittel (63 Prozent) der Obdachlosen sind männlich, ein Drittel (35 Prozent) weiblich, zwei Prozent sind unterschiedlich oder es lagen keine Angaben vor. Mit einem Durchschnittsalter von 44 Jahren sind die ungeschützten Obdachlosen deutlich älter als die geschützten oder versteckten Obdachlosen mit 32 oder 35 Jahren.

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Die Mehrheit hat die deutsche Staatsbürgerschaft

Auch zur Staatsangehörigkeit legte die Regierung Daten vor: Demnach haben zwei Drittel der Obdachlosen ohne Wohnung und drei Viertel der verdeckten Obdachlosen die deutsche Staatsangehörigkeit, alle anderen sind ausländischer Herkunft oder gelten als staatenlos. Nur 31 Prozent der untergebrachten Wohnungslosen haben die deutsche Staatsbürgerschaft. Denn einige Personen in Flüchtlingsunterkünften werden auch erfasst, wenn sie dort wegen fehlenden Wohnraums länger bleiben.

Das Leben ohne festen Wohnsitz ist durch viele gesundheitliche Probleme gekennzeichnet. Laut der Umfrage geben mehr als 31 Prozent der versteckten Obdachlosen ihren Gesundheitszustand als „weniger gut“ oder „schlecht“ an, verglichen mit 40 Prozent der ungeschützten Obdachlosen. Mehr als die Hälfte der Befragten gaben an, an einer langjährigen Krankheit oder Behinderung zu leiden, ein Viertel sei abhängig – bei den Wohnungslosen seien es sogar 35 Prozent.

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Die Diakonie international fordert die Regierung zum Handeln auf

Mit dem Bericht lege die Bundesregierung nun einen „gesamtdeutschen Überblick“ über die Situation der Betroffenen vor, erklärte Bauministerin Klara Geywitz. „Gemeinsam mit allen Beteiligten wird die Bundesregierung im nächsten Jahr einen nationalen Aktionsplan gegen Obdachlosigkeit entwickeln und verabschieden“, fuhr er fort. Eine zweite Ausstellung soll 2024 präsentiert werden.

Ziel ist es laut Regierung, die Obdachlosigkeit zu bekämpfen und bis 2030 vollständig zu beseitigen. Die Diakonie Deutschland erinnerte das Ampelbündnis an dieses Projekt. Sozialdirektorin Maria Loheide erklärte, wenn die Regierung nicht schnell handle, werde sie an ihren eigenen Bedingungen scheitern. Vor allem fehlten kleine, günstige Wohnungen und Budgetwohnungen für Familien.

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Der Diakonie-Leiter wies auch darauf hin, dass mehr Menschen obdachlos seien als offiziell registriert seien. Nicht gezählt werden laut Loheide beispielsweise anerkannte Flüchtlinge, die in einer Wohngemeinschaft bleiben müssen, weil sie keine Wohnung finden. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Strengmann-Kuhn begrüßte, dass erstmals belastbare Zahlen auch für verdeckte Obdachlose vorliegen. Er hob auch den Wohnungsmangel für Wanderarbeiter aus osteuropäischen Ländern hervor. Mehr als die Hälfte der Wohnungslosen ohne deutsche Staatsbürgerschaft stammte aus EU-Staaten.

Der Bericht wurde im Rahmen des Wohnungslosenmeldegesetzes erstellt, das Anfang 2020 in Kraft trat. Damit wurde auch eine amtliche Statistik zu Wohnungslosen eingeführt, die von Kommunen oder unabhängigen Anbietern aufgenommen wurden.

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