China-Alternative Afrika? Die neue Hoffnung der deutschen Industrie

DDie Abhängigkeit von China verringern – das ist mittlerweile eines der Hauptziele der deutschen Wirtschaftspolitik. Aber auch Unternehmen spüren zunehmend Druck, nach Alternativen zu suchen, zumal das Regime in Peking mit seiner Null-Covid-Politik das Land in eine Endlosschleife von Lockdowns gedrängt und vielerorts die Produktion lahmgelegt hat. Aber die Frage bleibt: Was ist die Alternative?

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) will nun stärker auf Afrika setzen. Das geht aus einem 40-seitigen Positionspapier hervor, das der Verband gerade erstellt hat und das WELT vorab zugegangen ist.

Darin plädiert er für die Wiederaufnahme der Zusammenarbeit mit den Ländern des Kontinents, insbesondere denen südlich der Sahara, und gibt 39 konkrete Handlungsempfehlungen, für deutsche Unternehmen, aber auch für die Bundesregierung und die EU. Dies kann jedoch die schwerwiegenden Probleme, die einem verstärkten Handel mit afrikanischen Ländern im Wege stehen, nicht beseitigen.

„Afrika wird für Deutschland wirtschaftlich immer wichtiger, um stärker zu diversifizieren und die Abhängigkeit insbesondere von China zu reduzieren“, sagt Wolfgang Niedermark, Mitglied des BDI-Vorstands. „Afrika ist für deutsche Unternehmen heute unverzichtbar – und nicht mehr nur ein Kontinent der Möglichkeiten.“

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Schöne Worte, aber vielleicht schon bald Taten: Der Deutsch-Afrikanische Wirtschaftsgipfel findet vom 6. bis 8. Dezember in Südafrika statt. Der BDI beteiligt sich gemeinsam mit anderen Spitzenverbänden an der Organisation des Gipfels und hat nun rechtzeitig sein Positionspapier vorbereitet.

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Der BDI sieht darin drei wichtige Betätigungsfelder. Beispielsweise sollten Deutschland und Europa afrikanische Länder bei der Umsetzung der Panafrikanischen Freihandelszone (AfCFTA) unterstützen. 54 der 55 Länder des Kontinents gehören formal dazu, doch die Umsetzung gestaltet sich bisher schwierig.

Lieferung von Rohstoffen aus Afrika

Die Weltbank geht davon aus, dass diese Freihandelszone den Handel innerhalb Afrikas um 81 Prozent und die Exporte um insgesamt 19 Prozent steigern könnte. Und eine funktionierende Freihandelszone würde den Kontinent auch für deutsche Investitionen attraktiver machen. Denn das würde einen Markt mit 1,3 Milliarden Menschen und einer Wirtschaftsleistung von rund 3,4 Billionen Dollar schaffen – das wäre vergleichbar mit Indien.

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Ein weiterer von BDI angestrebter Bereich sind Kooperationen im Bereich der Beschaffung von Rohstoffen, insbesondere von Metallen und grünem Wasserstoff. „Die Bundesregierung sollte die Bemühungen der Unternehmen unterstützen, neue Rohstoffpartnerschaften aufzubauen und Investitionsgarantien und Hermesdeckungen auszubauen“, fordert Niedermark.

Rohstoffe wie Kobalt, Lithium oder Platingruppenmetalle sind wichtig für Elektromobilität, Digitalisierung und Industrie 4.0, und afrikanische Länder verfügen über große Mengen dieser Ressourcen. Ziel soll es laut BDI sein, eine Win-Win-Situation zu schaffen: nachhaltige Gewinnung und Verarbeitung der Rohstoffe vor Ort sowie Versorgungssicherheit für deutsche Unternehmen.

Quelle: Infografik WELT

Ein drittes wichtiges Feld der Zusammenarbeit sieht der BDI beim Einsatz neuer Technologien. „Das Internet aus dem All kann abgelegene Regionen schneller und besser verbinden und eine stärkere Teilhabe an globalen Wertschöpfungsketten ermöglichen“, nennt Niedermark ein Beispiel. “Deutschland sollte sich in Brüssel dafür einsetzen, dass die geplante EU-Satellitenkonstellation auch den afrikanischen Kontinent abdeckt.”

Denn die Digitalisierung ist auch in Afrika ein Schlüssel zum wirtschaftlichen Fortschritt. Mithilfe von Satellitendaten könnten unter anderem die landwirtschaftliche Produktion verbessert und Umweltkatastrophen wie Waldbrände schneller erkannt und eingedämmt werden. Aber auch die Steuereinnahmen könnten durch digitale Lösungen gesteigert und Korruption bekämpft werden.

Letzteres ist jedoch das größte Problem deutscher Unternehmen in Afrika. Das zeigt auch die BDI-Umfrage unter seinen Mitgliedern, die Korruption als oberste Priorität nannten. Weitere große Problemfelder sind politische Instabilität, bürokratische Hürden und Fachkräftemangel.

Quelle: Infografik WELT

Und für die Weltbank ist ein funktionierender Staatsapparat eine zentrale Herausforderung für diese Länder – und zugleich eine entscheidende Voraussetzung für wirtschaftlichen Fortschritt. „Verbesserungen der Verwaltungssysteme für öffentliche Investitionen – insbesondere der Institutionen und Prozesse, die für die Planung, Verteilung und Umsetzung öffentlicher Investitionen verantwortlich sind – bringen nachweislich große wirtschaftliche Vorteile“, schreibt sie in einer kürzlich erschienenen Analyse des wirtschaftlichen Potenzials des Kontinents. .

Viele afrikanische Länder sind vom chinesischen Handel abhängig

Zunächst aber sind Experten der Weltbank überzeugt, dass eine Diversifizierung der Handelsstrukturen auch Afrika helfen kann, schließlich sind viele Länder einseitig auf den Handel mit China angewiesen. Die Diversifizierung der Handelspartner könnte den Wissenstransfer erhöhen.

“Es bringt Exporteure auch in Kontakt mit einem breiteren Spektrum potenzieller Käufer mit unterschiedlichen Verbraucherpräferenzen, rechtlichen Rahmenbedingungen und Geschäftspraktiken.”

Damit wäre ein verstärkter Handel zwischen Deutschland und Afrika eine Win-Win-Situation – erst recht, wenn die afrikanische Freihandelszone gestärkt werden könnte. Denn dann hätte Afrika eine starke Stimme und könnte so sicherstellen, dass es in den Handelsbeziehungen auf Augenhöhe agieren kann. Der erste Schritt dazu könnte nächste Woche in Südafrika gemacht werden.

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