Don Jaffé verlor 70 Familien-Mitglieder im Holocaust: „Die Menschen haben nichts dazugelernt“ | Regional

Bremen – Don Jaffé steht in seinem Wohnzimmer und springt vor Freude: „Schauen Sie, es ist mein 90. Geburtstag, ich bin fit und habe nie den Mut verloren.“

BILD besucht einen der letzten Holocaust-Überlebenden in Bremen.

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Damals war seine Welt noch in Ordnung.  Der junge Don läuft mit seinem Vater Jakov Jafe durch Riga

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Foto: emha

Sein Lebensstil geht unter die Haut!

Don Jaffé wurde am 24. Januar 1933 in Riga geboren. 1941 floh er mit seinen Eltern und Geschwistern zu Fuß vor den Nazis nach Sibirien, er hungerte und wurde als einziger Jude täglich in der Schule erschlagen. Nach dem Krieg ging er 1971 über Umwege nach Israel.

Doch drei Jahre später hatte Don Jaffé ein klares Ziel: „Ich wusste: Deutschland hat aus seinen Fehlern gelernt und wir werden hier sicher sein.“

Don Jaffé war und ist ein begnadeter Cellist

Don Jaffé war und ist ein begnadeter Cellist

Foto: emha

1975 zog er mit seiner Frau Elsa (85) und den gemeinsamen Kindern Ramón und Diana nach Bremen. Die Stadt erinnerte ihn sehr an Riga. Als hochbegabter und gefragter Cellist unterrichtete und spielte Jaffé jahrzehntelang in der Bremer Philharmonie. Seine grausamen Erlebnisse verarbeitete er in mehr als 23 emotionalen, teils düsteren Kompositionen – und bis heute erinnert er mit seiner Musik an die Opfer der Shoah.

Ein Kuss für seine große Liebe.  Elsa und Don sind seit 67 Jahren zusammen und immer noch glücklich

Ein Kuss für seine große Liebe. Elsa und Don sind seit 67 Jahren zusammen und immer noch glücklich

Foto: emha

Heute, an seinem 90. Geburtstag, wirkt er nachdenklich: „Ich habe 70 Familienmitglieder verloren und ich war der glückliche Überlebende. Leider gibt es auch heute noch Kriege und Hass auf der Welt. Die Leute haben es nicht gelernt. Ich fürchte einen möglichen Dritten Weltkrieg. Das alles macht mich traurig.“

Obwohl sich der Komponist in Deutschland immer willkommen gefühlt hat, hadert er mit dem Umgang Bremens mit ihm: „Warum hat Bremen nie meine Werke gespielt, die sogar international gefeiert werden? Es wäre eine Hommage an die, die im Holocaust gestorben sind.”

Auch von Bremens Politikern fühlt er sich nicht gesehen: „Von Bürgermeister Andreas Bovenschulte habe ich weder eine Geburtstagskarte noch eine Einladung bekommen. Schade.”

Doch einer lässt bis heute seine Augen strahlen. Don Jaffé ist seit 67 Jahren mit seiner Frau Elsa verheiratet und sie sind glücklich.

Was ist ihr Geheimnis? „Wir sind immer den ganzen Weg zusammen gegangen und haben uns gegenseitig vertraut. Und wir haben immer viel gearbeitet – da war keine Zeit zum Streiten“, sagt Jaffé.

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