Duisburg und Essen: Vom Trend zur Schließungs-Welle – “Scheiße”

Im Ruhrgebiet schließen immer mehr Geschäfte. Entweder sind die Mieten zu hoch oder sie haben die Krise nicht überstanden – Corona, Energie, Inflation. Doch gerade bei dem Geschäftsmodell, das sich in Duisburg und Essen, aber auch in vielen anderen Städten bewährt hat, fallen nun alle Anhänger ab.

Wir sprechen über die Großhandelsgeschäfte. Auch vor Corona sprießen sie gerade erst aus dem Boden, doch inzwischen haben viele Standorte in Essen wieder geschlossen oder Schließungen zum Jahresende angekündigt. DER WESTEN hat bei zwei Stores in Duisburg und Essen nachgefragt, was hinter diesem Negativtrend steckt.

Duisburg und Essen: Verpackungsfreie Läden in der Krise

Angelica Sanders führt den Duisburger Unverpackt-Laden praktisch alleine. „Und das ist auch gut so“, sagt der 46-Jährige. Denn für Mitarbeiter gäbe es kein Geld – außer für einen Bekannten, der einen Tag in der Woche aushilft -. Glücklicherweise erhält sie tatkräftige Unterstützung von ihrem Mann, der sie auch finanziell unterstützt. „Ohne ihn könnte ich das nicht“, ist sich Sanders sicher. Denn eines ist ganz klar: „Mit so einem Laden kann man kein Geld verdienen.“ Aber das ist gar nicht ihr Anspruch. „Für mich ist es ein Projekt.

Etwas ängstlich wird ihr allerdings, wenn sie sich die Verkaufszahlen und ihren Kontostand anschaut. „Als wir Anfang dieses Jahres den Laden von Andrea und Lucas Langwald übernommen haben, hatten wir kurz Angst, Kunden zu verlieren.“ Sanders gibt zu, dass sie selbst nicht so politisch aktiv ist wie die Vorbesitzer. „Das bin ich einfach nicht.“ Aber Gott sei Dank sind viele Stammgäste nach der Übernahme bei ihr geblieben. „Ich bin froh, dass ich den Laden weitermachen kann“, sagt sie erleichtert. Denn Mitte des Jahres sah es noch ganz anders aus.

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Ein Unverpackt-Laden in Duisburg stand kurz vor dem Einsturz

Die neue Besitzerin kommt aus dem Einzelhandel und hat schon immer davon geträumt, einen eigenen kleinen Laden zu haben. Und es sollte “mindestens tragbar” sein. Bis zum Sommer 2022 gingen die Verkaufszahlen jedoch weiter zurück. Dann kam das große Sommerloch und plötzlich schrieb der Laden rote Zahlen – kein Wunder bei nur acht Kunden am Tag. „Ich dachte, das machst du nur bis Ende des Jahres“, beendete der Ladenbesitzer fast.

  • Angelica Sanders vom Unpacked Shop in Duisburg.

Jetzt, wo andere Geschäfte im Umkreis schließen – Milheim, Essen, Moers – geht es wieder aufwärts. “Es ist natürlich schade, auch wenn ich ein Benutzer bin”, sagte Sanders. Es wird derzeit sehr stark frequentiert, sodass die Zahl der Kunden wieder steigt. Mittwochs öffnet sie den Laden sogar für Kunden, obwohl er an diesem Tag geschlossen ist. Für seinen “großen Einkauf” ist er den ganzen Weg aus Milheim angereist, weil das dortige Geschäft seit Oktober geschlossen ist. “Scheiße, ich hoffe, Duisburg macht nicht auch zu”, befürchtet er.

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Ein Unverpackt-Laden in Essen schließt vor Weihnachten

Happily Unpacked in Essen war 2017 der erste Unpacked Store der Stadt. Nun muss Christiane Teske nach fast sechs Jahren das Geschäft in der Rosastraße in Rittenscheid aufgeben. Es war sehr schwierig für den Eigentümer, sich zu entscheiden, am 22. Dezember zu schließen. „Ich habe mir eine Deadline gesetzt und nach der Crowdfunding-Aktion im Sommer wieder Flyer verteilt.“ Doch der erwartete Kundenzuwachs blieb aus. „Ich war ziemlich enttäuscht“, sagt der Besitzer im Gespräch mit DER WESTEN.

Und im Gegensatz zu anderen Lebensmittelhändlern hat Teske nicht einmal die Preise erhöht – nur wegen des Krieges in der Ukraine um Sonnenblumenöl und Sonnenblumenkerne. „Aber die Leute sehen das einfach nicht“, sagt sie. Bis Corona lief alles super. Aber als die Käufer nur noch einen statt wie früher mehrere Läden aufsuchten, blieb der Zero-Waste-Laden auf der Strecke. „Außerdem machen uns Online-Lieferdienste zu schaffen“, sagt Teske. Die praktische Art der Bestellung von zu Hause und die vermeintlich ökologischen und günstigen Angebote in Supermärkten und Co. würden immer mehr Kunden anziehen.

  • Massenspeicher
  • Bulk-Lebensmittelgeschäft
  • Die Inhaberin Christiane Teske aus

Mit dem Abgang von „Glücklich Unverpackt“ geht das Angebot im Ruhrgebiet weiter zurück. Von den einst zwölf Läden sind nur noch drei übrig geblieben, zwei davon in Duisburg und Essen. Stammkunden, die bis zum Schluss im Laden bleiben, seien „todtraurig“, wie Teske feststellt. Sie fürchtet nun auch um andere Einzelhändler in der Umgebung. „Wir sind nicht das einzige Einzelhandelsgeschäft, das derzeit schließt. “Nicht allen geht es gut.”

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Der Eigentümer von Duisburg teilt das Erfolgsrezept

Warum also hält sich der Standort Duisburg, während alle anderen in der Umgebung wie die Fliegen umfallen? Sanders glaubt, dass dies hauptsächlich daran liegt, dass ihr Unternehmen klein ist und keine Mitarbeiter hat. „So spare ich viel Personal- und Mietkosten, und wenn es sein muss, kann ich alles selbst machen.“ „Das spiegeln mir auch die Kunden wieder.“


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Sie erklärt, warum verpackungsfreie Läden generell schlecht abschneiden, vor allem wegen der Berührungsängste vieler mit dem Konzept. Ein Kunde betrat den Laden erst, nachdem er vor dem Schaufenster auf und ab gegangen war. „Das traue ich mich nicht“, gestand sie Sanders. Über solche Vorbehalte redet die Besitzerin gerne mit Kunden. „Man muss sich anpassen.“ Das Verladen und Wiegen von Waren kostet Zeit. Und du solltest es nehmen.

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