Großbritannien fällt aus Top Ten der Handelspartner

RWEs Gwynt y Mor, der zweitgrößte Offshore-Windpark der Welt, liegt acht Meilen (rund 13 Kilometer) vor der Küste von Nordwales in der Liverpool Bay. RWEs Gwynt y Mor, der zweitgrößte Offshore-Windpark der Welt, liegt acht Meilen (rund 13 Kilometer) vor der Küste von Nordwales in der Liverpool Bay.

RWEs Gwynt y Mor, der zweitgrößte Offshore-Windpark der Welt, liegt acht Meilen (rund 13 Kilometer) vor der Küste von Nordwales in der Liverpool Bay.

Quelle: Ben Birchall/PA Wire/dpa

Eine Mehrheit der Briten hat 2016 für den Brexit gestimmt – seitdem hat die Bedeutung Großbritanniens für den deutschen Handel abgenommen. Die Unsicherheit bleibt hoch. Das hat nun historische Konsequenzen.

HerrGroßbritannien verliert als Handelspartner Deutschlands nach dem Brexit an Bedeutung. Großbritannien fällt in diesem Jahr erstmals in der jüngeren Geschichte aus den zehn wichtigsten Handelspartnern Deutschlands heraus. Das geht aus einer Analyse der Bundesgesellschaft German Trade and Invest (GTAI) hervor, die der Deutschen Nachrichtenagentur in London vorliegt.

Der kalender- und saisonbereinigte Handel zwischen Januar und Oktober stieg vor allem inflationsbedingt im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 13,7 Prozent. Der gesamte deutsche Warenhandel legte im gleichen Zeitraum jedoch um 20,7 Prozent zu. Zuletzt hat Tschechien Großbritannien im Ranking der wichtigsten Handelspartner überholt. Der Vorteil sei „erheblich und im November und Dezember schwer wiederzugewinnen“, kommentierte GTAI.

„Die langsame Entwicklung des deutsch-britischen Außenhandels ist kein neuer Trend“, betont der Bericht. Seit 2017 – dem ersten vollen Jahr nach dem Brexit-Referendum – hat die Bedeutung des Vereinigten Königreichs stetig abgenommen. Damals war es noch der fünftwichtigste Außenhandelspartner.

Es gab andere Gründe für den Brexit. „Und die Coronavirus-Pandemie, die durch Energiepreise verursachte Inflation und die Änderung der Geldpolitik der Bank of England haben den britischen Wirtschaftsmotor aus dem Takt gebracht“, hieß es. „Die Folgen des Brexit verstärken den Effekt, da der Handel über die Zollgrenze teurer geworden ist“, sagt GTAI. Es herrscht noch Unsicherheit. “Fast drei Jahre nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU bleibt der wirtschaftspolitische Kurs des Landes nach dem Brexit unklar und verunsichert britische Unternehmen.”

Großbritannien hat die Europäische Union Ende Januar 2020 verlassen und ist ab Januar 2021 auch kein Mitglied der EU-Zollunion und des EU-Binnenmarktes. Ein Brexit-Handelsabkommen in letzter Minute sichert in den meisten Bereichen Zollfreiheit. Allerdings gibt es aufgrund erhöhter bürokratischer Anforderungen Schwierigkeiten beim Handel. Auch die Einführung teurer und zeitaufwändiger Arbeitsvisa für Fachkräfte erschwert die Zusammenarbeit.

Auch der Ausblick für 2023 macht laut GTAI etwas Hoffnung, zumal die Notenbank Großbritannien auf eine lange Rezession sieht und Unternehmen noch zurückhaltender investieren dürften. Dies betrifft die Lieferung von Fahrzeugen, Industriemaschinen und chemischen Produkten, bei denen Deutschland einer der wichtigsten Lieferanten ist. „Angesichts einer sich abzeichnenden Rezession, steigender Kreditkosten und einer Erhöhung der britischen Körperschaftssteuer von 19 % auf 25 % im April 2023 ist keine Trendwende in Sicht“, heißt es in dem Bericht.

Einige kleinere Branchen sind für deutsche Unternehmen besonders interessant, die sich trotz der wirtschaftlichen Probleme deutlich stärker entwickelt haben. Dazu gehören das Gesundheitswesen, die Offshore-Windenergie und der Infrastrukturbau. Aus der wichtigen Automobilindustrie, der wichtigsten Säule des deutsch-britischen Handels, verzeichnet die GTAI gemischte Signale. Wenn der britische Automarkt im Jahr 2023 deutlich wächst, könnte dies eine Trendwende bedeuten, hieß es. E-Autos sind ein wichtiger Treiber, ab 2030 wird der Verkauf von Neuwagen mit konventionellen Verbrennungsmotoren verboten. Hier stellt sich die Frage, ob Großbritannien genügend sogenannte Gigafactories bauen kann, um rechtzeitig Batterien zu produzieren.

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