Irans WM-Teilnahme im Schatten der Proteste: Druck auf Team Melli

Großer Druck auf „Team Melli“

Als Irans Nationalmannschaft Ende Januar die Weltmeisterschaft 2022 gewann, feierte die Nation die Teilnahme als Titelgewinn. Die Vorfreude auf Top-Teams und internationale Stars war riesig. Doch dann kam alles anders. Der Tod von Mahsa Amini in Polizeigewahrsam löste heftigste Proteste aus, die Sicherheitskräfte reagierten heftig. Das Entsetzen der getöteten Demonstranten war groß. Und mit der Lieferung von Waffen an Russland im Krieg in der Ukraine wächst der Druck im In- und Ausland.

Auch die iranischen Fußballer des “Team Melli” geraten immer mehr zwischen die Grenzen. Während die Organisationen den Ausschluss Irans von der WM forderten, hofften die Aktivisten auf die Solidarität der Spieler, die auf der Weltbühne wohl mehr beobachtet werden dürften als kaum eine andere Mannschaft. Die politischen Führer in Teheran, die sich in einer der schwersten Krisen der letzten Zeit befinden, wollen dies um jeden Preis verhindern. Demnach wurden vor der Abreise Fotos mit Präsident Ebrahim Raisi veröffentlicht.

WM 2022: Teilnehmer werden nach Mannschaftswert gereiht

Katar – Mannschaftswert: 14,9 Mio. €

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Gastgeber

Costa Rica – Teamwert: 18,75 Mio. €

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Saudi-Arabien – Mannschaftswert: 25,2 Mio. €

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Australien – Mannschaftswert: 38,4 Mio. €

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Iran – Mannschaftswert: 59,53 Mio. €

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Tunesien – Teamwert: 62,4 Mio. €

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Ecuador – Mannschaftswert: 146,5 Mio. €

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Japan – Teamwert: 154 Mio. €

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Kamerun – Mannschaftswert: 155 Mio. €

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Wales – Teamwert: 160,15 Mio. €

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Mexiko – Teamwert: 176,1 Mio. €

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Kanada – Teamwert: 187,3 Mio. €

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Ghana – Teamwert: 216,9 Mio. €

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Senegal – Teamwert: 228 Mio. €

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Marokko – Mannschaftswert: 241,1 Mio. €

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Polen – Mannschaftswert: 255,6 Mio. €

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Vereinigte Staaten – Teamwert: 277,4 Mio. €

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Schweiz – Mannschaftswert: 281 Mio. €

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Dänemark – Mannschaftswert: 353 Mio. €

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Serbien – Mannschaftswert: 359,5 Mio. €

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Kroatien – Teamwert: 377 Mio. €

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Uruguay – Mannschaftswert: 449,7 Mio. €

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Belgien – Mannschaftswert: 563,2 Mio. €

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Niederlande – Mannschaftswert: 587,25 Mio. €

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Argentinien – Teamwert. 645,2 Millionen Euro

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Spanien – Mannschaftswert: 877 Mio. €

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Deutschland – Mannschaftswert: 885,5 Mio. €

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Portugal – Teamwert: 937 Mio. €

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Frankreich – Teamwert: 1,03 Mrd. €

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Brasilien – Mannschaftswert: 1,14 Mrd. €

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England – Mannschaftswert: 1,26 Mrd. €

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Kritik folgte schnell. „Dies war die beste Gelegenheit, den Stimmen des trauernden und unterdrückten iranischen Volkes von den Machthabern Gehör zu verschaffen“, schrieb Yahya Golmohammadi, Trainer des Persepolis FC der Stadt, auf Instagram. Auch einige ehemalige Profis solidarisierten sich bei dem Protest. Der frühere Bundesliga-Profi Ali Daei etwa sagte, er habe eine Einladung der Fifa nach Katar abgelehnt. Ali Karimi steht der Islamischen Republik seit Ausbruch der Proteste sehr kritisch gegenüber. Er lehnte die Einladung ab. Und Mehdi Mahdavikia kündigte seinen Job als Trainer der Jugend-Nationalmannschaft.

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Die Weltmeisterschaft im Persischen Golf soll nicht nur ein sportliches, sondern auch ein wirtschaftliches Highlight für den Iran werden. Teheran und Doha hatten eine gewinnbringende Kooperation vereinbart: Fußballfans sollen die Inseln im Süden Irans per Flugzeug und Schiff besuchen können. Das von internationalen Sanktionen hart getroffene Teheran hoffte auf neue Devisen. Die Situation in der Hauptstadt könnte unterschiedlicher nicht sein. Die meisten Iraner nehmen gleichgültig an der WM teil, viele wollen sogar disqualifiziert werden, um der Regierung eine Lektion zu erteilen.

Ende September zeigte sich Sardar Azmoun (27) von Bayer 04 Leverkusen solidarisch mit den Frauen im Iran und schrieb auf Instagram: „Ich kann nicht länger schweigen.“ Es gab Gerüchte, dass die Regierung die Nominierung blockieren wollte. Der Spieler von Feyenoord Rotterdam, Alireza Jahanbakhsh, 29, sagte auf einer Pressekonferenz in Doha, dass sich das Team jetzt auf den Sport konzentrieren wolle, nicht auf die Politik.

Mehdi Taremi, Stürmer des FC Porto, stimmte Jahanbakhsh zu: “Wir haben auch andere Verpflichtungen gegenüber der iranischen Gesellschaft, aber hier konzentrieren wir uns auf den Fußball.” Ich habe bereits meine Meinung zu dem Protest geäußert, aber hier geht es um Fußball und darum, die Fans glücklich zu machen.” Wie Azmoun hat der 30-Jährige in der Vergangenheit seine Unterstützung für Proteste zum Ausdruck gebracht.

WM-Erwartungen hoch: Iran-Trainer Queiroz ist wütend

Aber wie könnte Irans WM-Auftritt im politischen Kontext gesehen werden, wenn die Mannschaft als Team gegen den Feind des Regimes, Amerika, spielt? Die Spieler selbst hätten stark unter Druck gesetzt werden müssen. Auch leistungstechnisch stellt der iranische Sportverband hohe Erwartungen an das Team. Auch Bundestrainer Carlos Queiroz spürte den Druck. Auf der Pressekonferenz zeigte sich der Portugiese verärgert und beantwortete Fragen zu seiner Rolle als Cheftrainer der Mannschaft der Islamischen Republik. Der 69-Jährige war von 2011 bis 2019 Nationaltrainer des Iran und übernahm vor den Protesten überraschend das Amt des Kroaten Dragan Skocic.

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Sportler sind im Iran sehr engagiert. Millionen von Fans in sozialen Netzwerken machen Fußballspieler zu Meinungsführern. Sein Einfluss auf die neue Generation ist groß. Die politische Führung ist sich der Bedeutung von Sportlern in der iranischen Gesellschaft bewusst – und versucht mit allen Mitteln, kritische Stimmen zu unterdrücken. Das hörte Reiter Elnas Rekabi, der im Wettkampf sein Kopftuch abnahm. Als Nationalheldin gefeiert, entschuldigte sie sich nach kurzer Zeit – offenbar nach vielen Drohungen. Kritiker bemängeln, dass nicht die Teamleistung entscheidet, sondern die Loyalität zum System.

Aus Angst vor Protesten in den Stadien hat der iranische Fußballverband kürzlich beschlossen, bis zur WM Spiele vor leeren Mannschaften auszutragen. Gelangweilte Fans und lustlose Spieler waren die Folge. Auch Esteghlal FC nahm seinen Pokal nach dem Gewinn des iranischen Supercups ohne Emotionen entgegen. Das brachte ihnen landesweit Lob und Bewunderung ein – sogar von den Fans des Konkurrenzvereins Persepolis.

Eine ähnliche Situation befürchtet die politische Führung in Teheran nun vor einem Millionenpublikum bei der WM. Besonders die Begegnung mit den USA wird mit großem Interesse erwartet. Die Spieler müssen die Bedeutung – und die Konsequenzen – kennen, wenn sie sich selbst Protestaktionen zufügen. Die Nationalhymne nicht zu singen, sollte ausreichen, sagte ein Sportjournalist in Teheran. “Das wäre schlimmer für die Regierung als tausend amerikanische Bomben.”

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