Klimakrise: Deutschland fördert fleißig fossile Energien im Ausland

2. November 2022 – Bundeskanzler Olaf Scholz will trotz Unterzeichnung der Glasgow Public Finance Declaration die internationale Gasförderung unterstützen, kritisiert die Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Urgewald und ruft gemeinsam mit anderen NGOs Deutschland kurz vor dem Exportfinanzierungsgipfel in Berlin und nur wenige Tage an vor Beginn der Klimakonferenz COP27 in Ägypten für entschiedenes Handeln.

Zwischen 2019 und 2021 hat Deutschland durchschnittlich 2,8 Milliarden Dollar an öffentlichen Garantien und Krediten für fossile Brennstoffe im Ausland ausgegeben – das zeigt ein Bericht von Oil Change International (OCI) und Friends of the Earth USA gemeinsam mit den Deutschen, darunter. Bericht der Umweltorganisationen Urgewald, Germanwatch und New Climate Institute. Zum Vergleich: Deutschland hat im gleichen Zeitraum international durchschnittlich 2,2 Milliarden US-Dollar pro Jahr an sauberer Energie bereitgestellt. Die vorgelegten Daten machten nun deutlich, dass Deutschland zwischen 2019 und 2021 weltweit siebtgrößter öffentlicher Kreditnehmer fossiler Brennstoffe war.

Hermesbürgschaften und KfW fördern weiterhin fossile Energieträger

Die internationale Mineralproduktion aus Deutschland stammt aus verschiedenen Quellen, einschließlich Hermes-Bürgschaften, die von Allianz Trade (ehemals Euler Hermes) verwaltet und von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) finanziert werden. Der Bericht macht deutlich, dass die Garantien für fossile Brennstoffe von Hermes im Berichtszeitraum im Durchschnitt etwa 2 Milliarden US-Dollar betrugen. Von 2019 bis 2021 war Allianz Trade daher als Produzent fossiler Brennstoffe wichtiger als sein amerikanisches Pendant, die United States Export-Import Bank (US Ex-Im).

Deutschland im Rücklicht

Insbesondere das Vereinigte Königreich, Frankreich, Dänemark, Schweden und Finnland haben bereits Maßnahmen zur Umsetzung ihrer Verpflichtungen aus dem Glasgow Statement of Public Finances veröffentlicht. Dem Bericht zufolge beschlossen sie beispielsweise ein vollständiges Verbot der internationalen öffentlichen Förderung von Erdgas im Upstream- und Midstream-Sektor, einschließlich LNG. Urgewald hält es in diesem Zusammenhang für zweifelhaft, dass sich Bundeskanzler Scholz und das Kanzleramt öffentlich für eine weitere Förderung der Exploration und Erschließung von Erdgasfeldern vor Senegal und Mauretanien einsetzen. Dies steht im Widerspruch zu dem, was Deutschland in der Glasgow Fiscal Declaration versprochen hat.

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„Die Förderung der Gasinfrastruktur im Ausland löst jetzt nicht die potenziellen Probleme der Energiesicherheit der nächsten zwei Winter in Deutschland“, sagt Regine Richter, Energie- und Finanzreferentin von urgewald. Im Gegenteil, die Klimakrise beschleunigt sich. “Wenn Deutschland beim Auslaufen der öffentlichen Subventionen für fossile Energie im Ausland nicht wirklich liefert, wird es anderen Nachzüglern wie Italien mit schlechtem Beispiel vorangehen.” Bundeskanzler Scholz sollte über seinen Schatten springen und dem klaren Verbot fossiler Energiedarlehen und Bürgschaften zustimmen.

„Gerade angesichts der aktuellen Energiekrise in Deutschland ist es wichtig, anderen Ländern dabei zu helfen, die deutschen Fehler zu vermeiden, die die Anfälligkeit des Landes verschärft haben“, warnt Aki Kachi, Senior Policy Economic Climate Analyst am New Climate Institute. die Energiesicherheit durch erneuerbare Energiequellen zu erhöhen und nicht durch zukünftige Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. David Ryfisch, Leiter der internationalen Klimapolitikgruppe bei Germanwatch, sieht es als egoistisch an, andere Länder im Interesse der deutschen Energiesicherheit jahrelang an die Nutzung fossiler Brennstoffe zu binden und ihnen unangemessen hohe Emissionen und potenzielle „latente Vermögenswerte“ zu hinterlassen. .

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Die öffentliche Förderung fossiler Brennstoffe treibt die Klimakrise voran

Staatlich unterstützte Finanzierungen tragen dazu bei, das Risiko von Projekten mit fossilen Brennstoffen zu verringern, was Investitionen für private Investoren attraktiver macht, warnen Klimaschützer. Umgeleitet in saubere Energie könnte diese öffentliche Unterstützung die internationale Energiewende beschleunigen, die weltweite Krise der Lebenshaltungskosten entschärfen und die weltweite Abhängigkeit von fossilem Gas verringern, erklären die Autoren der Studie.

Wenn alle G20-Länder und die multilateralen Entwicklungsbanken ihre internationale Unterstützung vollständig von fossilen Brennstoffen auf saubere Energie umstellen würden, könnte dies einen jährlichen Durchschnitt von 85 Milliarden US-Dollar für die globale Energiewende bedeuten – fast eine Verdreifachung des Status quo, sagt Exhibition. Neben Kanada, den USA, Deutschland und Italien sollten aber auch andere große G20-Staaten wie Japan, Südkorea und China nachziehen.

Klimaziele mit fossilem Ausbau sind nicht zu erreichen

Mit Blick auf die COP27 in Ägypten, die in wenigen Tagen beginnt – und sich vor allem an die deutsche Delegation richtet – betonen die NGOs noch einmal: Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) hat die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels keinen Bestand mehr mineralische Expansion und daher keine weitere entsprechende öffentliche Förderung seit Ende letzten Jahres erwartet. Die öffentliche Finanzierung fossiler Brennstoffe untergräbt zudem massiv die Wirksamkeit der sogenannten „Klimafinanzierung“, die immer noch nicht auf dem von reichen Ländern versprochenen Niveau von 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr ab 2020 geliefert wird – was ohnehin schon viel zu wenig ist. Die Autoren des Berichts warnen davor, dass die öffentliche Finanzierung fossiler Brennstoffe auch die Schadensunterstützung und den dringend benötigten Schuldenerlass verhindert, der jetzt für das Überleben von Ländern und Gemeinschaften, insbesondere im globalen Süden, von entscheidender Bedeutung ist.

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Zwischen 2019 und 2021 stellten die G20-Staaten und multilateralen Entwicklungsbanken jährlich durchschnittlich mindestens 55 Milliarden US-Dollar an internationaler öffentlicher Finanzierung für fossile Brennstoffe bereit. Das sind zwar 35 Prozent weniger als in den Vorjahren (2016-2018), heißt es in dem Bericht, aber es ist immer noch fast doppelt so viel Unterstützung für erneuerbare Energien, die im Zeitraum von 2019 bis 2021 durchschnittlich nur 29 Milliarden US-Dollar pro Jahr betrugen. Die Autoren des Berichts betonen dies jedoch die internationale öffentliche Finanzierung ziemlich instabil ist und dass die Einhaltung von Paris nur mit einem vollständigen Ende der öffentlichen Unterstützung für fossile Brennstoffe möglich wäre.

Spekulanten bleiben unter sich

Japan, Kanada, Südkorea und China stellten laut NGO-Bericht zwischen 2019 und 2021 erneut die direkteste öffentliche Finanzierung für fossile Brennstoffe bereit. Im Berichtszeitraum flossen 53 % der internationalen öffentlichen Mittel für fossile Brennstoffe in Erdgasprojekte – ein Durchschnitt von etwa 30 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Als solches hat fossiles Gas mehr internationale öffentliche Mittel erhalten als jede andere Energieart, einschließlich der erneuerbaren Energien insgesamt. Der größte Teil der direkten öffentlichen Finanzierung für fossile Brennstoffe wurde von reichen Ländern in andere (relativ) reiche Länder geleitet. Mosambik war das einzige Land mit niedrigem Einkommen unter den Top-15-Empfängern.

Vollständiger Bericht
Zugriff auf die interaktiven Daten: www.energyfinance.org

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