Prozess gegen Ex-Hells-Angels-Boss: Hanebuth spricht erstmals | NDR.de – Nachrichten – Niedersachsen

Stand: 25.01.2023 06:44 Uhr

Frank Hannebutt steht seit Montag in Madrid vor Gericht. Am zweiten Verhandlungstag beantwortete er erstmals Fragen. Allerdings nur, worum ihn sein Anwalt gebeten hat.

Die erste Befragung durch die spanische Strafverteidigerin Ana Madera betraf die Behauptung der Staatsanwaltschaft, Hanebuth habe als Regionalchef der Hells Angels auf Mallorca Verbrechen begangen. Hanebuth sagte, er habe nichts mit dieser lokalen Band zu tun, die im Rockjargon “Charter” heißt. Er war nur in den Sommerferien und zum Geburtstag eines Freundes auf Mallorca und hatte keinerlei berufliche Verbindung zu den anderen Angeklagten. Er hatte kein Vermögen in Spanien und wurde in Deutschland nie wegen Geldwäsche angeklagt.

Die Staatsanwaltschaft fordert für Hanebuth 13 Jahre Haft

Die spanische Justiz wirft dem ehemaligen Chef der Hells Angels in Hannover unter anderem Drogenhandel, Zuhälterei und Drohungen vor. Neben dem 58-jährigen ehemaligen Leiter der örtlichen Hells Angels-Gruppe in Hannover sind insgesamt 48 weitere mutmaßliche ehemalige Mitglieder und Helfer vor dem Landesgericht angeklagt worden. Die Gruppe soll zwischen 2009 und 2013 als kriminelle Vereinigung auf Mallorca operiert und zahlreiche schwere Straftaten gegen den sogenannten Ballermann begangen haben. Die Staatsanwaltschaft fordert für Hanebuth insgesamt 13 Jahre Haft.

Staatsanwalt Hanebuth prangert Ermittlungen an

Am zweiten Verhandlungstag betonte Hanebuths Anwalt die Unschuld ihres Mandanten. Auch er verurteilte die Ermittlungen. Das Abhören der Telefone von Hanebuth und anderen mutmaßlichen ehemaligen Hells Angels-Mitgliedern sei illegal, sagte Madera. Denn sie seien nach einer Anzeige wegen Körperverletzung in einem Bagatellfall angeordnet worden – „und du kannst es nicht tun“. Madera betonte, dass ihr Mandant nicht vorbestraft sei. Zudem konnte der Hauptzeuge nicht ausfindig gemacht werden. Der Mann behauptet, mehrere der Angeklagten auf einem Foto als seine Bedürftigen erkannt zu haben. Schließlich beantragte der Verteidiger die Einstellung des Verfahrens aus den genannten Gründen. Die Vorsitzende Richterin Teresa Palacios lehnte den Antrag ab, erklärte sich jedoch bereit, die Bedenken der Verteidigung während des Prozesses anzusprechen.

Hanebuth lehnt den Deal ab

Die Verteidigung des Deutschen geht davon aus, dass es keine Beweise gibt. Laut Hannebutts Anwalt begann der Prozess am Montag fast vier Stunden später, weil die Staatsanwälte Deals aushandeln wollten. Im Gegensatz zu 34 der 48 anderen Angeklagten, die das Angebot angenommen hatten, lehnte ihr Mandant einen Deal ab, weil er glaubte, unschuldig zu sein, sagte Madera. Hanebuth selbst war am Montag zum Verfahrensauftakt entspannt. Vor den vielen Reportern sagte Hanebuth: „Ich bin froh, dass es endlich losgeht.“

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Hanebuth droht eine mehrjährige Haftstrafe

Hanebuth war im Sommer 2013 bei einer spektakulären Razzia auf Mallorca zusammen mit mehreren mutmaßlichen Komplizen festgenommen worden. Dort habe er, wie fast alle seine Mitverdächtigen, laut Polizei „ein Leben im Luxus geführt“. Hanebuth etwa lebte auf einer Finca in Lloret de Vistalegre im Inselinneren, deren Wert von den Behörden auf 2,5 Millionen Euro geschätzt wurde. Nach seiner Festnahme verbrachte er zwei Jahre in Haft in Spanien. Im Sommer 2015 kam er gegen eine Kaution von 60.000 Euro auf Bewährung frei. Erst 2017 durfte er Spanien endgültig verlassen, danach kehrte er nach Deutschland zurück. Hanebuth hat die Vorwürfe bisher bestritten. Bei einer Verurteilung drohen ihm mehrere Jahre Haft.

Das Landeskriminalamt schätzt, dass es in Niedersachsen mehr als 200 Mitglieder in Ortsgruppen gibt. Auch der berüchtigte Ortsverband Hannover, der 2012 aufgelöst wurde, existiert weiter. Lediglich die Schreibweise hat sich geändert. Und es gibt einen großen Unterschied zu früher: Die Wippen sind nicht mehr so ​​stark sichtbar. 2017 gab es ein Verbot für Rocker wie Hells Angels, Bandidos und Co. – dürfen ihre Embleme nicht mehr öffentlich zeigen. Die Coronavirus-Pandemie hat es schwierig gemacht, Rocker aufzunehmen. Da es keine Vereinsfahrten, Versammlungen oder Feiern gab, war eine Aufklärung nur eingeschränkt möglich.

Zur Sicherheit: Der Eingriff wird in einen separaten Raum verlegt

Für den Prozess bis zum 10. Februar sind insgesamt zehn Verhandlungstage angesetzt. Das Verfahren wird unter hohen Sicherheitsvorkehrungen durchgeführt. Der Zugang zum Gerichtssaal ist eingeschränkt, daher befinden sich keine Journalisten im Raum. Zur Berichterstattung wird das Verfahren live auf Leinwände in einem separaten Nebenraum übertragen.

Weitere Informationen

Frank Hanebuth sitzt im Gerichtssaal des Amtsgerichts Hannover.  © Moritz Frankenberg/dpa Foto: Moritz Frankenberg/dpa

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Jederzeit zum anhören

Das Rathaus in Maschsee.  © NDR Foto: Julius Matuschik

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 25.01.2023 | 6.30 vormittags

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