Start-ups: Was Deutschland von den Niederlanden lernen kann

HeyDie Niederlande können mehr als Camping, Tulpen und Käse. Laut einer Studie der Europäischen Kommission gehört Deutschlands Nachbar zu den führenden Ländern in Europa, wenn es um die Förderung von Innovationen geht.

Ein Forschungsteam misst im Auftrag der Kommission jedes Jahr mit unterschiedlichen Daten die sogenannte „Forschungs- und Innovationsleistung“ einzelner Länder. Die Niederlande liegen derzeit auf Platz drei hinter Schweden, Finnland und Dänemark – und deutlich vor Deutschland auf Platz neun.

Innovationen weisen oft auf eine lebendige Startup-Szene hin. Und tatsächlich zeigt das Start-up-Barometer von Ernst & Young im April 2022: Sowohl was die Anzahl als auch die Höhe der Start-up-Förderrunden betrifft, liegen die Niederlande im europäischen Vergleich ganz vorn.

Im Jahr 2021 wurden in den Niederlanden 321 Finanzierungsrunden abgeschlossen und insgesamt 4,4 Milliarden Euro in niederländische Startups investiert. In der Studie liegt dies an vierter Stelle hinter Großbritannien, Deutschland und Frankreich.

Zu den bekanntesten Tech-Exporterfolgen aus den Niederlanden zählen die 1996 gegründete börsennotierte Reiseplattform Booking.com, der Zahlungsabwickler Adyen und das Programmiertool Gitlab – beide ebenfalls börsennotiert. Die Kundenkommunikationsplattform Messagebird ist Teil des niederländischen Einhornclubs.

Das deutsche Nachbarland ist also ein Start-up-Land. Ein Land, das unternehmerischer und gründerfreundlicher ist als Deutschland, sagt Shane Samuel Yankam. Er hat beides versucht, er wollte mit einem Software-Startup in Deutschland starten und macht es jetzt lieber in den Niederlanden.

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Unternehmen in den Niederlanden gründen – schnell und digital

Yankam kam mit 18 Jahren aus Kamerun nach Deutschland, um an der Universität Duisburg-Essen Wirtschaftsinformatik zu studieren. Noch während des Studiums beschloss er, ein Unternehmen zu gründen und bewarb sich um ein Exist-Gründerstipendium – erfolglos.

Nach einigen Jahren als Mitarbeiter in deutschen Softwareunternehmen zog es ihn über die Grenze und gründete das Start-up Cloudopex in Eindhoven, mit dem er ein Cloud-Management-Tool entwickelt.

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In der Europäischen Union ist es kein Problem, ein Unternehmen über Landesgrenzen hinweg zu gründen. Die Möglichkeit, in den Niederlanden eine BV zu gründen, eine „Besloten vennootschap met berkete aansprakelijkheid“ (niederländische Gesellschaft mit beschränkter Haftung) – das Äquivalent zur deutschen GmbH – steht jedem EU-Bürger offen:

– Unternehmen und Einzelpersonen aus der EU können dies tun ohne Grenzen Firmengründung in den Niederlanden.

– Dies erfordert einen Niederländische Geschäftsadresse.

– Was Eigenkapital ein BV kostet nur 1 Euro.

„Hier sieht man einen kaum skeptisch an, wenn man sagt, man sei ein Gründer“, sagt Shane Samuel Yankam

„Hier sieht man einen kaum skeptisch an, wenn man sagt, man sei ein Gründer“, sagt Shane Samuel Yankam

Quelle: privat

Die Einrichtung selbst sei schnell, unkomplizierter als in Deutschland – und komplett online, berichtet Yankam. Sie können eine BV nur mit Hilfe eines niederländischen Notars gründen. Aber: “Ich musste nie selbst zum Notar gehen, alles lief online.”

Die Registrierung bei der KvK, der Kamer van Koophandel, der niederländischen Industrie- und Handelskammer, erfolgt ebenfalls über deren Website, die laut Yankam sehr gut und übersichtlich ist. Diese frühe Gründungsphase sei in Deutschland viel komplizierter, sagt er.

Steuervorteile in den Niederlanden

Der wichtigste Vorteil der Niederlande als Start-up-Standort ist in seinen Augen ganz klar die Steuer. Unternehmen im Land zahlen bisher 15 Prozent und ab 2023 19 Prozent Körperschaftssteuer auf alle Gewinne bis 200.000 Euro. Alles darüber hinaus wird mit 25,8 Prozent besteuert.

In Deutschland zahlen Unternehmen noch immer nur 15 Prozent Körperschaftsteuer. Dann fallen aber je nach Standort 7 bis 19 Prozent Gewerbesteuer, Solidaritätszuschlag und 1,5 Prozent Dividendensteuer bei Gewinnausschüttung an eine Beteiligungsgesellschaft an.

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Wie viel Steuern Unternehmen insgesamt in Deutschland zahlen, lässt sich nicht pauschal beantworten, aber der Richtwert liegt bei rund 30 Prozent des Gewinns – und damit deutlich mehr als in den Niederlanden.

“In Deutschland überwiegen die steuerlichen Nachteile längst jeden Standortvorteil”, sagt der Unternehmer Yankam. „Und wir haben noch nicht einmal über die damit verbundenen Einkommenssteuern und Sozialversicherungsbeiträge gesprochen, wenn man Mitarbeiter einstellen möchte.“

Gute Start-up-Kultur in den Niederlanden

Und noch etwas ist in den Niederlanden besser: das Image von Tech-Unternehmern. „In den Niederlanden sieht man einen nicht so skeptisch an, wenn man sagt, man sei ein Gründer“, sagt Yankam. “Es ist viel normaler, viele Leute sind nebenbei selbstständig.”

Es ist durchaus üblich, als Einzelunternehmen (eenmanszaak) zu beginnen. „Es gibt ein anderes Verständnis von Arbeit und eine andere Einschätzung des Risikos der Selbständigkeit.“ Folglich fällt es Yankam leichter, ein Netzwerk von Unternehmern aufzubauen, das auch bei der Suche nach Investoren in der Zukunft hilfreich sein kann.

Und was Yankam gerade aufgefallen ist: Die niederländische Start-up-Szene und wohl auch die Gesellschaft sind offener als die deutsche. „Meiner Erfahrung nach ist es als Person mit meinen phänotypischen Voraussetzungen schwieriger, in Deutschland ein Unternehmen zu gründen.“ Shane Samuel Yankam selbst drückt es so aus.

„Ich fand es komplizierter, weiterzukommen oder gar ernst genommen zu werden. Man könnte meinen, dass das, woran ich damals gearbeitet habe, vielleicht keine so gute Idee war – und das war es nicht. Aber das war nicht der einzige Grund. Das passiert mir heute noch, wenn ich in Deutschland unterwegs bin.“ Die Wahrheit über Nicht-Weiße in Deutschland ist: „Oft nimmt man einen erst ernst, wenn man anfängt zu reden.“

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