Studie sieht deutliche Überkapazität bei deutscnen LNG-Terminals

Eine Studie des Kölner Umweltinstituts kritisiert den Umfang der neu geplanten LNG-Terminals. Sie würde den Klimazielen zuwiderlaufen und unnötig Steuergelder binden.

Laut einer neuen Studie haben Deutschlands geplante LNG-Terminals Überkapazitäten. Wenn alle elf LNG-Terminals in Betrieb sind, könnten sie 73 Milliarden Kubikmeter pro Jahr aufnehmen. Das wären 50 Prozent mehr Gas, als vor dem Krieg in der Ukraine aus Russland bezogen wurde. Die Pläne seien “massiv überdimensioniert”.

Die Studie wurde vom Umweltforschungszentrum „New Climate Institute“ mit Sitz in Köln durchgeführt. Hauptkritikpunkt: Das Institut behauptet, der Bau der Kraftwerke würde den Klimazielen zuwiderlaufen und damit gegen das Klimaschutzgesetz verstoßen. Nach Berechnungen von Klimaexperten liegt der Gasverbrauch in Deutschland in diesem Jahr bereits um 12 Prozent niedriger als im Vorjahr. Um die Klimaziele zu erreichen, müsste Deutschland den Verbrauch weiter senken – bis 2045 auf nahezu null. Bis dahin könnte der Gasbedarf laut Institut durch den Import von Land aus den Nachbarländern gedeckt werden.

Das erste Schiff soll in den nächsten Tagen anlegen

Nach bisherigen Plänen des Bundes sollen unter anderem acht schwimmende Stationen und drei landgestützte Anlagen Gas aus Katar empfangen und weiterleiten können. An der Küste stationierte Boote können gemietet werden. „Höegh Esperanza“ soll in Kürze das erste Terminal in Wilhelmshaven sein. Dazu sollen in den kommenden Wochen zwei weitere schwimmende Terminals in Brunsbüttel (RWE) und Lubmin (Deutsche Regas) in Betrieb gehen. Zusammen könnten diese drei Fabriken rund 20 Prozent des deutschen Jahresbedarfs decken. Acht der elf Einrichtungen werden aus Bundesmitteln gefördert. Es gibt auch Kreditgarantien für den Import von Flüssiggas.

Kritik kommt auch von der Umweltaktivistin Luisa Neubauer. Sie hält es für “völligen Wahnsinn”, Überkapazitäten zu schaffen.

Die Umweltorganisation Fridays for Future spricht auf Twitter vom „Torpedieren von Klimazielen“. „Smafor muss daher dringend mehr erneuerbare Energiequellen ausbauen, statt die Schließung von fossilem Gas zu forcieren!“, fordern Aktivisten.

Drei schwebende Klemmen sollten ausreichen

Das Institut rechnete vor, dass selbst bei sinkenden Nettoimporten die steigende Nachfrage mit maximal drei schwimmenden Terminals gedeckt werden könnte – oder einfach noch mehr Gas eingespart werden könnte. Ab 2035 werden keine LNG-Anlagen mehr benötigt. Nach Berechnungen des Institute for a New Climate würden schwimmende Terminals ausreichen, selbst wenn nur norwegisches Gas importiert würde.

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Neben verfehlten Klimazielen zeigt die Studie ein weiteres Risiko auf. „Da ein Großteil des LNG-Terminals von Bundesmitteln unterstützt wird, tragen die Steuerzahler diese Kosten“, heißt es in der Erklärung zur Untersuchung. Wenn alle Terminals gebaut werden, könnte Deutschland zwei Drittel mehr Gas importieren, als es verbraucht. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass der Bau des Terminalpiers in Wilhelmshaven deutlich teurer wird. Von anfänglich 45 Millionen Euro stiegen die Kosten um 11 auf 56 Millionen Euro, teilte das Wirtschaftsministerium in Hannover Anfang November mit. Die Anschaffung und Wartung schwimmender Terminals für verflüssigtes Erdgas wird Deutschland mindestens dreieinhalb Milliarden Euro mehr kosten als geplant, teilte das Bundeswirtschaftsministerium Ende November mit.

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Auch von der Nutzung anderer Energieträger sind die Studienautoren nicht überzeugt: „Auch wenn die Umstellung auf grünen Wasserstoff oder Ammoniak berücksichtigt wird, sind die Pläne überdimensioniert. Zunächst müsste die Umstellung berücksichtigt werden.“ während der Bauphasen. Außerdem wird der Bedarf an importiertem Wasserstoff im klimaneutralen Deutschland deutlich geringer sein als der aktuelle Gasbedarf.“ I: Es ist noch nicht klar, ob Wasserstoff überhaupt über solche Terminals oder auf andere Weise transportiert wird. „Bei einem Vollbetrieb der geplanten Terminals wären die Klimaziele kaum zu erreichen“, so das Fazit der Studie.

Kurzfristig ist Deutschland jedoch nicht in der Lage, LNG-Importe über den Seeweg zu bewältigen. Energieökonom Andreas Fischer vom Institut der Deutschen Wirtschaft sieht großen Bedarf für die nächsten Monate. „Selbst wenn die ersten drei geplanten schwimmenden LNG-Terminals voll ausgelastet sind, könnte nur etwa ein Viertel der russischen Lieferungen nach Deutschland in den letzten Jahren ersetzt werden.“ Das bedeutet zusätzliche Entlastung, kann aber die fehlenden Lieferungen aus Russland nicht kompensieren.

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